Simmons-Debüt: Bears siegen 34:17 beim Super-Bowl-Champion
Vier Tage nach dem Trade führt Jeffery Simmons die Bears-Defense an. Seattle schafft eines von elf dritten Versuchen, Chicago steht bei 6-2.
17 Spielzüge, 80 Yards, 8:32 Minuten. Mit diesem ersten Drive nahmen die Chicago Bears den Seattle Seahawks am Montagabend gleich das, worauf sich der amtierende Super-Bowl-Sieger am meisten verlassen kann: die Kontrolle über das Spiel. Laut Chicago Sun-Times hatte seit 27 Spielen kein Gegner auf seinem ersten Drive gegen Seattle gepunktet. Luther Burden III fing auf diesem Drive vier Pässe, der letzte war ein 1-Yard-Touchdown von Caleb Williams.
Am Ende stand ein 34:17 im Lumen Field. Chicago ist jetzt 6-2, Seattle fällt auf 4-4. Die Bears lagen keine Sekunde zurück.
Das Ergebnis wird man in Chicago trotzdem vor allem mit einem Namen verbinden, der am Donnerstag noch bei den Titans unter Vertrag stand.
Fünf Tackles in einer Halbzeit, als Defensive Tackle
Jeffery Simmons kam für zwei Erstrundenpicks und einen Viertrundenpick aus Tennessee, die Kritik am Preis war laut. Nach seinem ersten Spiel steht er mit sechs Tackles als bester Tackler der Bears da, dazu ein Sack, zwei Tackles for Loss, ein QB Hit und ein abgewehrter Pass. Fünf seiner Tackles kamen schon vor der Pause. Für einen Spieler, der im Inneren der Line steht und oft doppelt geblockt wird, ist das ein ungewöhnlicher Wert.
Den Sack gegen Sam Darnold holte er im ersten Viertel. Wichtiger als die eigene Statistik war aber, was um ihn herum passierte. Montez Sweat, sein früherer Mitspieler aus Mississippi State, kam auf einen Sack und drei QB Hits. Insgesamt wurde Darnold dreimal gesackt und sechsmal getroffen. Wenn die Mitte nicht mehr frei ist, kann der Quarterback dem Druck von außen nicht nach vorne ausweichen. Genau dafür hat Chicago Simmons geholt.
Die Zahlen der Seahawks-Offense lesen sich entsprechend:
- 252 Yards Raumgewinn insgesamt
- 1 von 11 bei dritten Versuchen
- fünf Drives, die nach drei Spielzügen vorbei waren
- drei First Downs in den ersten fünf Ballbesitzen
Zur Einordnung: Vor diesem Spiel ließ keine Defense der Liga pro Spielzug mehr Yards zu als die der Bears.
Ein Hard Count, ein Timeout und drei Punkte
Ganz so deutlich, wie das Endergebnis aussieht, war es lange nicht. Zur Pause stand es 13:9. Seattle blieb über Jaxon Smith-Njigba im Spiel, der als bester Receiver der Liga nach Yards in den Spieltag ging und am Ende sechs Bälle für 118 Yards fing. Kurz vor der Halbzeit ließ er Tyrique Stevenson mit einem Double Move stehen und fing einen 43-Yard-Touchdown. Kicker Jason Myers vergab danach den Extrapunkt, später wurde auch noch sein Field Goal aus 33 Yards geblockt.
Kurz davor zeigte Ben Johnson eine Szene, die typisch für seine Art ist, ein Spiel zu coachen. Bei 4th and 2 an der Seattle-20 versuchte Williams es mit einem Hard Count. Die Seahawks blieben stehen, Johnson nahm ein Timeout und schickte Cairo Santos für ein 38-Yard-Field-Goal aufs Feld. Kein Risiko, wenn der Trick nicht greift. Zuvor hatte Rome Odunze den Drive mit zwei Catches über 18 und 24 Yards getragen, einen davon nach einem Reverse Pass.
Williams kam bis zur Pause auf 17 von 25 Pässen für 165 Yards, oft mit einem Verteidiger im Gesicht. Am Ende waren es 24 von 34 für 247 Yards und einen Touchdown. Gegen eine Defense, die im Schnitt 234 Yards pro Spiel zuließ, erzielten die Bears 363.
Die Phase, in der das Spiel kippen konnte
Nach dem Seitenwechsel spielte Chicago einen Drive über zehn Spielzüge und 69 Yards, D'Andre Swift lief aus einem Yard zum 20:9. Kurz zuvor hatte Seattle Defensive Tackle Leonard Williams verletzt verloren.
Dann der einzige echte Fehler der Bears: Tight End Colston Loveland verlor in der eigenen Hälfte einen Fumble, Darnold fand Cooper Kupp für einen 7-Yard-Touchdown, die Two-Point Conversion saß. 20:17, und das Stadion war wieder da.
Chicago antwortete mit einem langen Drive, den Kalif Raymond mit einem 39-Yard-Catch bei einem dritten Versuch am Leben hielt. Swift traf zum zweiten Mal. Den Schlusspunkt setzte wieder die Defensive Line: Austin Booker fälschte einen Darnold-Pass ab, James Lynch fing ihn, die erste Interception seiner Karriere, und trug ihn 16 Yards bis an die Seattle-6. Swift erzielte danach seinen dritten Touchdown. Seine 27 Läufe brachten wenig Raumgewinn, aber an der Goal Line war er da, wenn es zählte.
Seattle half dabei mit. Drei Strafen wegen Unnecessary Roughness in der zweiten Halbzeit, zwei davon in den Special Teams, passen nicht zu einem Team, das vor neun Monaten den Super Bowl gewonnen hat.
Simmons hatte nach seinem Wechsel gesagt, in Chicago wolle man den Super Bowl „jetzt sofort“. Nach diesem Abend klingt das weniger vermessen. In der NFC North reicht das vorerst für Rang zwei hinter Minnesota (6-1), vor Detroit (5-2) und Green Bay (5-3). Am Sonntag kommt Tampa Bay ins Soldier Field. Die Bucs haben am Wochenende 16:0 gewonnen, ohne einen einzigen Pass anzubringen.
