American Football erklärt: Allgemeines über die NFL

Football erklärt: Allgemeines über die NFL

32 Teams, eine Saison von September bis Februar, und am Ende ein einziges Spiel, das alles entscheidet: der Super Bowl. Die National Football League ist die größte Sportliga der Welt. Hier erfährst du, wie sie aufgebaut ist und warum sie so viele Menschen fasziniert.

Fans der Buffalo Bills feuern ihre Mannschaft an.
Die NFL bedeutet auch Spektakel pur.

Was ist die NFL?

Die National Football League (NFL) ist die höchste Spielklasse im American Football und die mit Abstand umsatzstärkste Sportliga der Welt. 32 Teams treten jede Saison gegeneinander an, mit einem Ziel: den Super Bowl zu gewinnen.

Die Liga wurde 1920 gegründet (damals noch als "American Professional Football Association") und hat sich seitdem zur größten Sportmarke der USA entwickelt. Der Super Bowl ist das meistgesehene TV-Event des Jahres in den Vereinigten Staaten, und auch in Europa wächst die Fangemeinde seit Jahren.


32 Teams, 2 Conferences, 8 Divisions

Die 32 NFL-Teams sind in zwei Conferences aufgeteilt: die American Football Conference (AFC) und die National Football Conference (NFC). Diese Aufteilung geht auf die Fusion der NFL mit der konkurrierenden American Football League (AFL) im Jahr 1970 zurück. Die ehemaligen AFL-Teams bilden den Kern der AFC, die alten NFL-Teams den Kern der NFC.

Jede Conference besteht aus vier Divisions mit je vier Teams:

  • AFC: North, East, South, West (je 4 Teams = 16)
  • NFC: North, East, South, West (je 4 Teams = 16)

Die Division-Zugehörigkeit bestimmt, gegen wen ein Team besonders oft spielt. Innerhalb einer Division trifft jedes Team zweimal pro Saison auf jeden Gegner (einmal zuhause, einmal auswärts). Das erzeugt intensive Rivalitäten: Cowboys vs. Eagles, Steelers vs. Ravens, Packers vs. Bears.

Hier findest du alle 32 Teams im Überblick.


Der NFL-Kalender: Von März bis Februar

Eine NFL-Saison dauert nicht nur von September bis Februar. In Wirklichkeit passiert das ganze Jahr über etwas. Hier der Überblick:

März: Free Agency

Spieler, deren Verträge ausgelaufen sind, dürfen sich ein neues Team suchen. Die Free Agency ist der erste große Umbruch des Jahres. In den ersten Stunden werden oft Verträge über 100 Millionen Dollar unterschrieben. Teams, die einen Star verlieren, müssen schnell Ersatz finden.

April: Der NFL Draft

Der Draft ist die Talentbörse der NFL. Über drei Tage und sieben Runden wählen die 32 Teams abwechselnd junge Spieler aus dem College aus. Das Team mit der schlechtesten Bilanz der Vorsaison darf zuerst wählen ("First Overall Pick"). So soll langfristig Chancengleichheit hergestellt werden: Schwache Teams bekommen Zugriff auf die besten Talente.

Der Draft ist ein Riesen-Event mit Live-Übertragung, Millionen Zuschauern und monatelanger Vorberichterstattung. Für die jungen Spieler ist es der Moment, in dem ihr Kindheitstraum wahr wird.

Mai bis Juni: OTAs und Minicamp

Die ersten gemeinsamen Trainingseinheiten. "Organized Team Activities" (OTAs) sind freiwillig (aber jeder kommt), das Minicamp ist Pflicht. Noch kein Vollkontakt, aber die neuen Spieler lernen das System kennen und die Coaches sehen zum ersten Mal, wie der neue Kader zusammenarbeitet.

Juli bis August: Training Camp und Preseason

Im Training Camp wird es ernst: Vollkontakt, harte Zweikämpfe, lange Tage. Jedes Team startet mit rund 90 Spielern und muss auf 53 reduzieren. In der Preseason (3 Testspiele) kämpfen die Wackelkandidaten um die letzten Plätze. Die Stars spielen kaum, um Verletzungen zu vermeiden. Die Ergebnisse der Preseason-Spiele zählen nicht für die Tabelle.

September bis Januar: Die Regular Season

18 Wochen, 17 Spiele pro Team. Jede Mannschaft hat eine spielfreie Woche (Bye Week). Die meisten Spiele finden am Sonntag statt, dazu gibt es feste Primetime-Slots: Thursday Night Football (Donnerstagabend), Sunday Night Football (Sonntagabend) und Monday Night Football (Montagabend). Diese Spiele werden national übertragen und sind die Bühne für die wichtigsten Begegnungen.

International spielt die NFL seit einigen Jahren auch Spiele in London, München und anderen Städten ("International Series"), um den Sport weltweit zu verbreiten.

Januar bis Februar: Playoffs und Super Bowl

Nach der Regular Season beginnt die Jagd nach dem Titel. Details dazu im nächsten Abschnitt.


Die Playoffs: 14 Teams, ein Sieger

Aus jeder Conference qualifizieren sich 7 Teams für die Playoffs:

  • 4 Divisionssieger: Das beste Team jeder Division ist automatisch dabei.
  • 3 Wild Cards: Die drei besten Nicht-Divisionssieger der Conference kommen ebenfalls rein.

Die 7 Teams werden nach ihrer Bilanz sortiert ("Seeding"). Platz 1 bekommt der beste Divisionssieger, Platz 5 bis 7 gehen an die Wild Cards. Bei gleicher Bilanz entscheiden komplizierte Tiebreaker-Regeln.

Die Playoff-Runden

Jedes Spiel ist ein K.o.-Duell: Wer verliert, fliegt raus. Es gibt keine Hin- und Rückspiele.

  • Wild Card Round (6 Spiele): Seed 2 gegen 7, Seed 3 gegen 6, Seed 4 gegen 5. Das höher gesetzte Team hat Heimrecht. Der Nr.-1-Seed hat ein Freilos und darf sich ausruhen.
  • Divisional Round (4 Spiele): Die vier Sieger der Wild Card Round plus die beiden Nr.-1-Seeds. Wieder: Das höher gesetzte Team spielt zuhause.
  • Conference Championship (2 Spiele): Die letzten zwei Teams der AFC spielen gegeneinander, ebenso die letzten zwei der NFC. Die Sieger ziehen in den Super Bowl ein.

Der Super Bowl

Der AFC-Champion trifft auf den NFC-Champion. Ein Spiel, ein Sieger, kein Rückspiel. Das größte Einzelsportereignis der Welt.

Der Super Bowl findet jedes Jahr Anfang Februar an einem neutralen Ort statt (meistens ein Stadion im Süden der USA oder in einer Halle mit Dach). Neben dem Spiel selbst sind die Halftime Show (Auftritte von Weltstars) und die TV-Werbespots (für die Unternehmen Millionen pro 30-Sekunden-Slot zahlen) eigene Kulturphänomene.

Der Sieger bekommt die Vince Lombardi Trophy, benannt nach dem legendären Coach der Green Bay Packers. Anders als im europäischen Fußball wird die Trophäe nicht weitergereicht, sondern jedes Jahr eine neue angefertigt. Das Siegerteam darf seine behalten.

Hier findest du alle bisherigen Super-Bowl-Sieger.


Der NFL Draft: Talente für die Zukunft

Der Draft verdient einen eigenen Abschnitt, weil er das Herzstück des NFL-Systems ist. Die NFL hat keinen Transfermarkt wie der europäische Fußball. Neue Spieler kommen fast ausschließlich über den Draft ins System.

Jedes Team hat in jeder der sieben Runden einen Pick (also 7 pro Team, 224 insgesamt). Picks können aber getauscht werden ("Trades"), sodass manche Teams in einer Runde mehrfach wählen und andere gar nicht. Vor dem Draft analysieren Scouts monatelang Hunderte College-Spieler: Sie schauen Spielfilme, besuchen die Combine (eine zentrale Leistungsprüfung) und die Pro Days (Vorstellungstermine auf dem jeweiligen Campus).

Der Draft-Abend selbst ist ein TV-Event. Wenn der Commissioner den Namen eines Spielers aufruft, erfährt der junge Mann live, in welcher Stadt er die nächsten Jahre seines Lebens verbringen wird. Es ist emotional, dramatisch und manchmal tragisch, wenn ein als sicher geltender Top-Pick plötzlich abrutscht.


Der Salary Cap: Geld regiert, aber fair

Anders als im europäischen Fußball, wo reiche Clubs wie Real Madrid oder Manchester City quasi unbegrenzt Geld ausgeben können, gibt es in der NFL eine strikte Gehaltsobergrenze: den Salary Cap. Jedes Team darf pro Saison den gleichen Betrag für Spielergehälter ausgeben (zuletzt über 250 Millionen Dollar).

Das Ziel: Chancengleichheit. Ein Team aus der Kleinstadt Green Bay (300.000 Einwohner) soll dieselben Möglichkeiten haben wie ein Team aus New York oder Los Angeles. Und es funktioniert: In der NFL gibt es keine Dynastien wie im europäischen Fußball. Jedes Jahr können andere Teams den Super Bowl gewinnen, und selbst schwache Teams sind oft nur ein guter Draft und eine kluge Free Agency von einer Playoff-Teilnahme entfernt.


Warum ist die NFL so beliebt?

Drei Gründe heben die NFL von anderen Sportligen ab:

Jedes Spiel zählt. Bei nur 17 Spielen pro Saison (verglichen mit 34 in der Bundesliga oder 82 in der NBA) ist jede Niederlage ein Problem. Es gibt keine Spiele, die nichts bedeuten. Ab Oktober hat fast jedes Spiel Playoff-Relevanz.

Spannung durch Ausgeglichenheit. Der Salary Cap, der Draft (schwache Teams wählen zuerst) und die Aufteilung der TV-Einnahmen (alle Teams bekommen gleich viel) sorgen dafür, dass die Liga extrem ausgeglichen ist. Jede Saison gibt es Überraschungsteams, die aus dem Nichts in die Playoffs stürmen, und Favoriten, die früh scheitern.

Football ist perfektes Fernsehen. Die natürlichen Pausen zwischen den Spielzügen geben Kommentatoren Zeit für Analyse, Kameras Zeit für Wiederholungen und Zuschauern Zeit zum Mitdenken. Dazu kommen Drama (Comebacks in den letzten 2 Minuten), Taktik (wie Schach mit Kollisionen) und körperliche Höchstleistung (die Athleten sind die größten, schnellsten und stärksten im Mannschaftssport).


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Jetzt weißt du, wie die NFL als Liga funktioniert. Als nächstes: Die Spielregeln einfach erklärt, alle Spielerpositionen oder direkt in die Fachbegriffe eintauchen.