Offense wins Super Bowls - NFL-Crush

Offense wins Super Bowls

Super Bowl XLVII hat einmal mehr bestätigt, dass sich nicht jeder Trinkspruch bis zur Sperrstunde durchziehen lässt.

No doubt - Offense sells tickets - Defense wins championships.

Ein Zitat, welches einem gewissen Dave Thorson zugeschrieben wird und älter als so manches Haus in New Orleans ist. Die 47. Auflage der Super Bowl bestätigt zum wiederholten Male, dass dieser Spruch längst schon hinterm Schrank verstaubt ist. 835 Offensive Yards erzielten Baltimore und San Francisco in dem Spiel, an 651 war jene Spielposition beteiligt, die auf der Gehaltsliste und im Draft die Wertvollste ist: die des Quarterbacks.

Wir erinnern uns an eine gefühlt ewig andauernde Diskussion, ob Joe Flacco denn Elite, oder doch nur Durchschnitt ist. Nun kann man sein Spiel in der Regular Season 2012 sicher bemängeln, ab dem Playoff war er aber perfekt und damit auch elitär. Ohne diesen Fortschritt, dem auch ein Offense Coordinator in einer laufenden Saison geopfert wurde, wäre der Weg zum zweiten Titelgewinn für Baltimore versperrt gewesen. Es ist eine von Quarterbacks angetriebene Liga und Flacco trieb das Spiel gegen Indianapolis, Denver, New England und auch im Finale an. Vier Spiele, 1.140 Passing Yards, elf Touchdowns und keine Interception. Den Super Bowl MVP gab's auch dafür. Hoch verdient mit Dank an die O-Line, die in der Zeit gerade Mal sechs Sacks zuließ. In der selben Periode ließ die Defense der Ravens jedoch 428 Yards im Schnitt pro Spiel zu. Sie hätte, ohne dieser Offense, mit Ach und Weh vielleicht die Wild Card überlebt. Mehr aber schon nicht.

Das ist tatsächlich aber gar keine Neuigkeit. Die MVPs der drei Super Bowls zuvor (Eli Manning, Aaron Rodgers, Drew Brees) waren allesamt Quarterbacks, die entweder durchgängig, oder in den entscheidenden Momenten, herausragende Leistungen gezeigt und damit ihr Team zum Titel geführt haben.

Nun bedeutet das sicher nicht, dass es völlig langt eine schlagkräftige Offense zu haben, denn wäre dem so, dann hätte New Orleans wohl schon mehrere Titel im Sack, aber man kann den Stellenwert der Defense nicht mehr über den des Angriffs stellen. Die Geschichte lehrt uns was anderes. Ein unterdurchschnittlicher Quarterback geht mit seinem Team nicht ins Divisional Playoff. Das Oktett von 2012: Manning, Brady, Schaub, Flacco, in der AFC bzw. Ryan, Kaepernick, Rodgers, Russell in der NFC. Wobei, mit Ausnahme von Ponder, auch die Wild Card Verlierer mit Dalton, Luck und Griffin III gerade auf der Position mit Top-Leuten besetzt sind.

Wo war Washington bis RG3 kam? Sie spielten in der NFC East das Opfer für die Giants, Eagles und Cowboys. Was tat San Francisco vor Harbaugh, der es geschafft hat, die Offense der 49ers endlich so aufzusetzen, damit die Stärken von Alex Smith in den Vorder- und seine Schwächen in den Hintergrund treten? Er fand später mit Kaepernick sogar noch ein Update für sein offensives Betriebssystem. Die Defense lief schon vor ihm, das langte aber nicht.

Es wird in Zukunft in der NFL auch weiterhin drei funktionierende Mannschaftsteile geben müssen, um Erfolg zu haben. Dass die Defense aber alleine die Pokale holt und die Offense bloß die Tickets verkauft, das stimmt nichtmal mehr als Vereinfachung. Warum das Sprüchlein immer noch auftaucht, lässt sich vielleicht mit einem Manko erklären, denn man kann ihn einfach nicht umdrehen. Auch in den USA geht die Mehrheit wegen der Quarterbacks ins Stadion und nur eine Minderheit genießt die Früchte von der dunklen Seite des Feldes. Die, wie jetzt allen klar sein sollte, alleine ein Team nicht ernähren können.