Myles Garrett vor Comeback: Rams warten auf ihren Pass Rush
Nach Knie-OP und sieben verpassten Spielen kehrt Garrett in Washington zurück. Die Rams zahlten viel für ihn und stehen bei nur zwölf Sacks.
Melbourne, Woche 1: Myles Garrett steht gegen die San Francisco 49ers auf dem Feld, die Rams verlieren 7:27, und in der Statistik des Defensive Player of the Year steht am Ende kein einziger Tackle. Hinterher nannte er sich selbst „die schlechteste Version“ von sich. Sein Knie hatte ihn schon fast die gesamte Vorbereitung gekostet, wenige Tage später folgte eine Arthroskopie, dann die Injured Reserve.
Sieben Spiele später ist er zurück. Die Los Angeles Rams wollen Garrett vor dem Spiel bei den Washington Commanders am Sonntag (19 Uhr MEZ) aktivieren. Das 21-tägige Trainingsfenster öffneten sie am Montag, am Mittwoch und Donnerstag trainierte er eingeschränkt, am Freitag bekam er planmäßig frei. Im finalen Injury Report hat er keinen Status und gilt damit als einsatzbereit.
„Er hat im Training wirklich gute Arbeit geleistet“, sagte Sean McVay. Wie viele Snaps Garrett bekommt, ließ der Head Coach offen: Daran arbeite man noch.
Jared Verse und drei Picks für einen 30-Jährigen
Der Preis für Garrett war hoch. Die Rams schickten in der Offseason Jared Verse nach Cleveland, einen zweifachen Pro-Bowl-Pass-Rusher, dazu drei Draftpicks, darunter einen Erstrundenpick 2027. Dafür bekamen sie den Spieler, der 2025 mit 23 Sacks den Rekord für eine einzelne Saison aufgestellt hatte.
Fußballfans kennen dieses Muster von Klubs, die einen Stürmer im besten Alter für einen etablierten Star mit Anfang 30 abgeben. Das funktioniert nur, wenn der Star sofort liefert. Garrett hat für die Rams bisher ein Spiel gemacht, und das war das schwächste seiner Laufbahn. Verse spielt währenddessen in einem Browns-Team, das bei 5-3 im AFC-North-Rennen mitmischt.
Endgültig bewerten lässt sich so ein Trade nicht nach acht Wochen, die Picks fallen erst 2027 an. Für diese Saison aber beginnt die Rechnung am Sonntag.
Aaron Donald wartet noch auf seinen ersten Sack
Die Idee hinter dem Umbau war ein Pass Rush, wie ihn die Liga lange nicht gesehen hat: Garrett auf der Außenposition, daneben Aaron Donald, der nach zwei Jahren Ruhestand zurückkam. Zusammen kommen die beiden auf 236,5 Karriere-Sacks. In dieser Saison haben sie zusammen null.
Donald hat seit seinem Comeback keinen Quarterback zu Boden gebracht. Die Rams stehen bei zwölf Sacks, geteilt Platz 26 der Liga. Der Großteil des Drucks kommt von Byron Young mit 4,5 Sacks. Beim 24:9 gegen die Chargers am vergangenen Sonntag kamen die beiden Sacks von Wesley Bailey, der Justin Herbert dabei den Ball aus der Hand schlug, und Josaiah Stewart.
Dass die Rams trotzdem bei 4-4 stehen, liegt an anderen Dingen. Nach einem 2-4-Start haben sie zweimal in Folge gewonnen, gegen die Raiders und die Chargers. Einen Touchdown im ersten Viertel hat diese Defense in der gesamten Saison noch nicht zugelassen. Sie verhindert Big Plays, nur bringt sie den Quarterback kaum aus dem Rhythmus.
Garrett soll genau das ändern, und zwar nicht nur durch eigene Sacks. Ein Edge Rusher seiner Klasse zieht Double Teams auf sich. Das lässt Donald im Inneren mehr Eins-gegen-eins-Situationen, und davon hat er in seiner Karriere mehr gewonnen als fast jeder andere. „Ich freue mich darauf, endlich ein paar echte Snaps mit ihm zu spielen“, sagte Garrett diese Woche über Donald.
Wie dringend die Rams Druck auf den Quarterback brauchen, zeigt der Blick auf die Cornerbacks. Jaylen Watson fällt mit einer Schulterverletzung für den Rest der Saison aus und muss operiert werden. Trent McDuffie, gegen die Chargers mit neun Tackles und einem Pick Six der beste Spieler auf dem Feld, ist wegen Rückenproblemen fraglich. Er hat die ganze Woche nicht trainiert.
Fehlt auch McDuffie, stehen in Washington beide Cornerbacks nicht zur Verfügung, die die Rams vor der Saison geholt haben, um ihre Coverage neu aufzustellen. Emmanuel Forbes Jr. und Josh Wallace müssten mehr übernehmen. Je kürzer der Quarterback Zeit hat, desto weniger fällt das ins Gewicht.
Jayden Daniels wirft keine Interceptions
Der Gegner ist für ein Comeback gut gewählt und schlecht zugleich. Die Commanders stehen bei 2-4-1, ihre Offensive Line hat 16 Sacks zugelassen, zwölf davon gegen Jayden Daniels. Garrett trifft also auf eine Line, die sich angreifen lässt.
Daniels selbst ist aber der Quarterback, gegen den Druck allein am wenigsten bringt. Er hat in dieser Saison noch keine einzige Interception geworfen und ist der einzige Quarterback der Liga mit mehr als 100 Passversuchen, dem das gelungen ist. Hektische Würfe führen bei ihm kaum zu Ballverlusten. Die Rams müssen ihn tatsächlich zu Boden bringen.
Zwölf Sacks in acht Spielen. Wie viele es nach Sonntag sind, ist die erste echte Antwort auf die Frage, ob sich der Trade gelohnt hat.
