Bengals gegen Falcons in Madrid: Burrow trifft auf Bijan Robinson - NFL-Crush

Bengals gegen Falcons in Madrid: Burrow trifft auf Bijan Robinson

Die beste Passing-Offense der Liga gegen den besten Rusher: Am Sonntag gastiert die NFL zum zweiten Mal im Bernabéu. Wo Cincinnati verwundbar ist.

Joe Burrow hat in seiner Karriere noch kein einziges NFL-Spiel außerhalb der USA bestritten. Am Sonntag um 15:30 Uhr ändert sich das: Die Cincinnati Bengals treffen im Estadio Santiago Bernabéu auf die Atlanta Falcons. Es ist das zweite NFL-Spiel in Madrid, nachdem die Miami Dolphins vor einem Jahr Washington vor 78.610 Zuschauern mit 16:13 nach Overtime geschlagen hatten.

Die Ausgangslage ist auf dem Papier klar. Cincinnati steht bei 5-2 und hat drei Spiele in Folge gewonnen, Atlanta bei 3-5 und kommt von einem 0:16 in Tampa. Ein Sieg brächte den Bengals den besten Saisonstart seit 2015, als sie die ersten acht Spiele gewannen. Ganz so einseitig, wie die Bilanzen wirken, ist das Duell aber nicht.

Drei Interceptions, dann 17 von 19

Wie gut Burrow gerade spielt, zeigte sich ausgerechnet in seinem holprigsten Spiel. Beim 43:36 nach Overtime gegen Tennessee fing Safety Amani Hooker drei seiner Pässe ab. Danach brachte Burrow 17 seiner letzten 19 Würfe an, am Ende standen fünf Touchdown-Pässe, so viele wie nie zuvor in seiner Karriere. Tee Higgins fing 155 Yards und zwei Touchdowns und wurde zum AFC Offensive Player of the Week gewählt.

Über die Saison kommt Burrow auf 2.115 Yards, 20 Touchdowns, sechs Interceptions und ein Passer Rating von 111,6. Er führt die Liga bei Completion-Quote, Passing Yards pro Spiel und Touchdown-Pässen an. Neun Touchdowns hat er allein in den letzten beiden Spielen geworfen. Kein Team hat eine höhere Erfolgsquote bei Dropbacks als Cincinnati (54,6 Prozent).

Die Kehrseite: Laufen können die Bengals kaum. 80,3 Rushing Yards pro Spiel bedeuten Platz 30, in fünf von sieben Spielen blieben sie unter 100 Yards. Die Offense lebt fast vollständig vom Passspiel und von drei Anspielstationen: neben Higgins Ja'Marr Chase, der zuletzt mit Knöchelproblemen durchspielte, und Tight End Mike Gesicki mit sechs Touchdowns.

Wenige gute Läufe, aber zu viele lange

Bijan Robinson ist mit 780 Yards der führende Rusher der NFL, bei 5,2 Yards pro Lauf. 18 seiner 150 Läufe gingen über mindestens zehn Yards. Seine letzten vier Spiele liefen allerdings zäh: kein Spiel über 100 Yards, kein Touchdown.

Die Bengals-Defense passt auf den ersten Blick schlecht zu ihm. Gegnerische Läufe sind gegen Cincinnati nur zu 33,3 Prozent erfolgreich, der fünftbeste Wert der Liga. Outside-Zone-Läufe, die Basis des Falcons-Laufspiels, stoppen die Bengals so oft wie kein anderes Team.

Gleichzeitig lassen sie 4,8 Yards pro Lauf zu, Platz 20 mit 122,3 Yards pro Spiel. Beide Zahlen zusammen ergeben ein klares Bild: Die meisten Läufe gegen Cincinnati enden früh, aber wenn einer durchkommt, geht er weit. Genau das ist das Profil von Robinson, der bei Missed Tackles zu den drei besten Running Backs der Liga gehört. Für Atlanta heißt das: Geduld. Drei Läufe für je zwei Yards gehören dazu, solange der vierte durchbricht.

Mit Brian Robinson Jr. fällt der zweite Running Back der Falcons wegen einer Oberschenkelverletzung aus. Viel Entlastung gibt es für Bijan Robinson also nicht.

Penix nach dem Debakel von Tampa

Die größere Frage auf Seiten der Falcons ist der Quarterback. Michael Penix Jr. brachte in Tampa bei Dauerregen nur acht von 24 Pässen an, für 125 Yards und vier Interceptions. Atlanta schaffte keinen einzigen von zwölf dritten Versuchen.

Penix ist erst seit Woche 3 Starter. Tua Tagovailoa hatte das Duell in der Vorbereitung gewonnen, verletzte sich dann, Cooper Rush sprang kurz ein. Ausgerechnet Tagovailoa, der vor einem Jahr in Madrid für Miami gewann, steht am Sonntag also an der Seitenlinie. Unter Penix stehen die Falcons bei 3-3, er kommt auf 1.282 Yards, neun Touchdowns und fünf Interceptions. Vier davon fielen in Tampa.

Abseits dieses Spiels ist Penix schwer zu sacken: Er braucht im Schnitt 2,59 Sekunden bis zum Wurf, nur Jordan Love ist schneller, und steht bei nur 29,5 Prozent seiner Dropbacks unter Druck. Das nimmt einer Bengals-Front, die auf 37,5 Prozent Druckquote kommt (Platz 9), einen Teil ihrer Wirkung. Boye Mafe hat 5,5 Sacks, Dexter Lawrence fünf. Hinzu kommt, dass Edge Rusher Cashius Howell nach einer Handgelenksoperation fehlt.

Druck ohne Blitz

Unterschätzt wird die Falcons-Defense, die nach EPA pro Spielzug auf Platz 9 liegt und damit deutlich besser ist als ihre 23,6 zugelassenen Punkte pro Spiel. Sie erzeugt bei 40 Prozent der gegnerischen Dropbacks Druck, blitzt aber nur bei 24,8 Prozent. Der Druck kommt also aus der Mitte: Die Defensive Tackles Brandon Dorius (27 Pressures) und Gervon Dexter Sr. (24) liegen bei der Pressure-Quote an der Spitze aller Spieler auf ihrer Position. Zwei Teamkollegen auf diesen Plätzen gab es nach acht Wochen zuletzt 2018.

Für Burrow ist Druck durch die Mitte unangenehmer als von außen, weil er nicht in die Pocket hineinsteigen kann. Dazu haben die Falcons acht Fumbles erzwungen, mehr als jedes andere Team. Wenn Atlanta in Madrid eine Chance hat, dann über Ballverluste. Gegen Tennessee hat Burrow gezeigt, dass er sie zulässt und trotzdem gewinnt.

Ein Detail am Rande: Bengals-Running-Back Chase Brown und Falcons-Safety Sydney Brown sind Zwillinge aus London, Ontario. Am Sonntag stehen sie sich zum zweiten Mal in der NFL gegenüber, zum ersten Mal auf europäischem Boden.