Aiyuk will zurück, die 49ers wollen ihn nicht
Zwei Jahre nach seinem letzten Spiel beantragt Brandon Aiyuk die Rückkehr. San Francisco fehlen Receiver, trotzdem läuft alles auf Trade oder Entlassung hinaus.
„Brandon ist gesund und bereit, wieder auf dem Feld zu stehen.“ Mit diesem Satz kündigte Drew Rosenhaus, seit dieser Woche Berater von Brandon Aiyuk, die Rückkehr seines Klienten an. Aiyuk hat bei der NFL den Antrag gestellt, von der Reserve/Left Squad List zurückgeholt zu werden, und will sich am Freitagnachmittag (US-Zeit) im Trainingszentrum der San Francisco 49ers melden.
Willkommen ist er dort nicht. General Manager John Lynch hat schon früher gesagt, er rechne nicht damit, dass Aiyuk noch einmal für die 49ers spielt. Kyle Shanahan formulierte es diese Woche ähnlich: Er habe „keine Erwartung“, dass das passiert. Über einen Trade oder eine Entlassung wollen die 49ers erst entscheiden, wenn Aiyuk sich gemeldet hat.
Ein Spitzenteam, dem die Receiver ausgehen
Das Pikante daran: Kaum ein Team könnte einen gesunden Receiver gerade besser gebrauchen. San Francisco steht bei 6-1 an der Spitze der NFC, aber Mike Evans (Rippen und Achillessehne) und Deebo Samuel (Oberschenkel) fallen am Sonntag gegen die Raiders aus. Spielen sollen Demarcus Robinson und KhaDarel Hodge.
Lynch hat sich in den vergangenen Tagen schon um Ersatz bemüht. Mit den Vikings war ein Trade für Jauan Jennings ausgehandelt, der fünf Jahre in San Francisco gespielt hatte. Laut Jay Glazer von Fox Sports hätte Jennings nur in einem FaceTime-Gespräch mit Shanahan und Lynch zustimmen müssen. Er lehnte ab und bleibt in Minnesota, obwohl er dort in fünf Spielen nur vier Pässe gefangen hat.
Geld wäre kein Hindernis, die 49ers haben mit rund 71,7 Millionen Dollar den meisten Cap Space der Liga. Das Problem mit Aiyuk ist ein anderes.
Von 1.342 Yards zur Funkstille
2023 war Aiyuk einer der besten Receiver der NFL: 75 Catches, 1.342 Yards, sieben Touchdowns, Second-Team All-Pro. Im Sommer 2024 erzwang er per Hold-in einen neuen Vertrag über vier Jahre und 120 Millionen Dollar. Im siebten Saisonspiel, am 20. Oktober 2024 gegen die Chiefs, rissen Kreuzband, Innenband und Meniskus im rechten Knie.
Was danach folgte, war eher Trennung auf Raten als Reha. Weil Aiyuk im Sommer 2025 während seiner Reha Meetings und Teamaktivitäten fernblieb, strichen die 49ers die Garantie über 27 Millionen Dollar für sein Gehalt 2026. Aiyuk ließ die Frist für eine Beschwerde über die Spielergewerkschaft verstreichen. Die Saison 2025 verbrachte er größtenteils auf der PUP-Liste, Mitte Dezember setzte ihn das Team auf die Left Squad List. Seitdem bekommt er kein Gehalt. Im Juni trennte er sich von seinem Berater Ryan Williams und war monatelang ohne Vertretung, ehe er nun Rosenhaus holte.
Unter Vertrag steht er trotzdem noch bis 2028. Und um entlassen werden zu können, muss er zuerst wieder aktiviert werden. Der Antrag ist also auch der erste Schritt aus San Francisco heraus.
Warum es bis Dienstag eine Lösung braucht
Die Trade Deadline ist am Dienstag, 10. November. Bis dahin haben die 49ers im Kern drei Möglichkeiten:
- Trade: Aiyuk hat sich offen zu den Commanders und Jayden Daniels gewünscht. Laut ESPN-Reporter Dan Graziano ist Washington aber kaum interessiert, auch wegen Aiyuks Auftritten in den sozialen Medien im Sommer. Ein Angebot ist bisher nicht bekannt, und wer ihn holt, übernimmt den Vertrag.
- Entlassung: Laut Over the Cap würde sie in dieser Saison rund 5,09 Millionen Dollar Cap Space freimachen und rund 7,36 Millionen Dollar Dead Money erzeugen.
- Rückkehr ins Team: Nach allem, was Lynch, Shanahan und Aiyuk im vergangenen Jahr öffentlich gesagt haben, glaubt daran kaum jemand.
Beim Timing einer Entlassung geht es um mehr als um Geld. Bis zur Deadline wäre Aiyuk als Veteran sofort Free Agent und könnte sich sein Team aussuchen, ähnlich wie ein Fußballprofi, dessen Vertrag aufgelöst wird. Ab Mittwoch gilt das nicht mehr: Wer nach der Deadline entlassen wird, landet auch als Veteran auf der Waiver-Liste, und das schwächste Team mit Interesse bekommt den Zuschlag.
Wer immer ihn am Ende nimmt, holt einen 28-Jährigen, der seit 747 Tagen kein NFL-Spiel bestritten hat.
