Ravens holen Brissett, aber erst nach dem Jacksonville-Spiel - NFL-Crush

Ravens holen Brissett, aber erst nach dem Jacksonville-Spiel

Baltimore sichert sich den in Arizona aussortierten Quarterback. Heute Nacht startet trotzdem Rookie Joe Fagnano, Brissett soll ab Woche 10 übernehmen.

Zehn Punkte. So hoch sind die Baltimore Ravens vor dem Thursday Night Game gegen Jacksonville bei den Buchmachern Außenseiter, im eigenen Stadion. Das gab es in Baltimore seit elf Jahren nicht mehr. Der Grund steht auf dem Depth Chart: Joe Fagnano, ungedrafteter Rookie aus Connecticut, macht seinen ersten NFL-Start.

Die Antwort auf diese Lage ist schon unterwegs. Laut ESPN-Insider Adam Schefter steht der Trade für Jacoby Brissett von den Arizona Cardinals kurz vor dem Abschluss. Offiziell werden soll er erst nach dem Donnerstagsspiel, voraussichtlich am Wochenende. Was Arizona dafür bekommt, ist noch nicht bekannt. Mehr als ein später Draftpick dürfte es nicht sein.

Ein Rookie mit Knöchelschiene als letzter Mann

Wie dünn es in Baltimore geworden ist, zeigt ein Blick auf die Woche seit Sonntag. Lamar Jackson verletzte sich in Buffalo nach einem einzigen Snap am rechten Daumen, wird operiert und fehlt auf der Injured Reserve mindestens vier Spiele. Tyler Huntley, der ihn schon drei Spiele lang vertreten hatte, zog sich im selben Spiel eine Turf-Toe-Verletzung zu und fällt lange aus.

Übrig blieb Fagnano, der beim 10:36 in Orchard Park 10 von 21 Pässen für 91 Yards anbrachte und eine Interception warf. Am Dienstag trainierte er mit einer Schiene am rechten Knöchel. Hinter ihm stehen Kedon Slovis, den die Ravens aus dem Practice Squad der Packers geholt haben, und Austin Reed, seit Montag im eigenen Practice Squad.

Head Coach Jesse Minter gibt sich trotzdem gelassen. „Er ist cool, ruhig und gefasst“, sagte er über Fagnano. „Ihn bringt nicht viel aus der Ruhe.“ Fagnano ist erst der zweite ungedraftete Rookie, der in der 32-jährigen Geschichte der Ravens als Quarterback startet.

In Arizona am Montag zur Nummer drei degradiert

Brissett war bis vor einer Woche Starter in Arizona. Beim 33:30 nach Verlängerung in Dallas nahm ihn Head Coach Mike LaFleur Ende des dritten Viertels beim Stand von 3:17 vom Feld. Brissett hatte bis dahin 10 von 23 Pässen für 108 Yards und eine Interception angebracht. Gardner Minshew kam, warf drei Touchdown-Pässe und drehte das Spiel. Am Montag stellten die Cardinals ihre Rangordnung neu auf: Minshew Starter, Drittrunden-Rookie Carson Beck Backup, Brissett nur noch Nummer drei.

Damit war der 33-Jährige ein Spieler ohne Zukunft in Arizona, auf einem Vertrag, der nach der Saison ausläuft. Für Baltimore ist er genau das, was der Markt sonst nicht hergab: ein Quarterback mit echter Starter-Erfahrung. In den vergangenen zwei Jahren startete Brissett 20 Spiele für die Cardinals und kam auf 5.085 Passing Yards, 33 Touchdowns und 15 Interceptions. Das sind keine Zahlen, die ein Team tragen. Aber es sind Zahlen eines Mannes, der eine Offense organisieren kann, ohne sie zu ruinieren.

Die Ravens werden seine siebte NFL-Station. Ein bekanntes Gesicht wartet dort: Quarterbacks Coach Israel Woolfork war von 2023 bis 2025 in Arizona und hat Brissett dort schon betreut. Das verkürzt die Einarbeitung, und Zeit ist das, was Baltimore am wenigsten hat.

Rund fünf Millionen Dollar für neun Spiele

Brissett hatte im Sommer in Arizona einen umgebauten Einjahresvertrag über 15,5 Millionen Dollar unterschrieben, voll garantiert, mit 9,7 Millionen Grundgehalt. Übernehmen die Ravens den Rest allein, schulden sie ihm für die verbleibende Saison noch rund fünf Millionen. Es sei denn, Arizona zahlt einen Teil mit.

Für ein Team, das bei 4-4 und als Letzter der AFC North eigentlich auf Jackson setzt, ist das eine Versicherung, kein Neuanfang. Niemand in Baltimore weiß, ob Jackson in dieser Saison noch einmal spielt. Minter hatte am Sonntag auf die Frage nach einem Saison-Aus mit „potenziell“ geantwortet. Mit Fagnano und Slovis allein wären die nächsten Wochen ein Experiment gewesen. Mit Brissett bleibt die Saison zumindest spielbar.

Ein Retter ist er nicht, das hat Arizona in dieser Saison gezeigt. Aber die Ravens brauchen keinen Retter. Sie brauchen einen Quarterback, der den Ball nicht verschenkt und die Defense nicht ständig auf kurzem Feld stehen lässt.

Der Spielplan hilft dabei. In Woche 10, wenn Brissett starten soll, geht es gegen die Los Angeles Chargers, die noch kein Spiel gewonnen haben. Vorher muss Fagnano aber eine Nacht gegen die Jacksonville Jaguars überstehen, die am Sonntag die Colts mit 42:7 zerlegt haben. Verliert Baltimore, steht das Team bei 4-5, und Brissett kommt nicht mehr als Ergänzung, sondern als letzte Chance.