Trade-Deadline: Receiver und Quarterbacks bestimmen den Markt
Josh Downs will weg, Jacoby Brissett ist nur noch QB3, Brian Thomas Jr. fängt kaum noch Bälle. Wer bis zum 10. November verkauft und wer zugreifen könnte.
Die Indianapolis Colts wollen für Josh Downs einen Drittrundenpick. Genau den haben sie 2023 selbst für ihn ausgegeben, an Position 79. Ob sie ihn zurückbekommen, ist fraglich, und an dieser Frage lässt sich ablesen, wie der Markt eine Woche vor der Trade-Deadline am 10. November funktioniert: Es gibt mehr Verkäufer mit Problemen als Käufer mit Geduld.
Nach dem Simmons-Trade der Bears und den Abgängen von Quenton Nelson und DeForest Buckner sind die großen Namen weitgehend vergeben, abgesehen von Jonathan Taylor, über den die Colts weiter verhandeln. Was jetzt noch auf dem Tisch liegt, sind vor allem Wide Receiver und Quarterbacks. Im Fußball würde man sagen: Der Deadline Day steht bevor, und gehandelt wird eher im Regal mit den Ergänzungsspielern als bei den Stars.
Josh Downs: Mietspieler mit Wechselwunsch
Downs hat Ende Oktober um einen Trade gebeten, das berichtete ESPN-Reporter Jeremy Fowler. Dementiert hat der Receiver nichts, er sei „offen für alles“. Der Frust hat sich über Monate aufgebaut. Indianapolis verlängerte mit Alec Pierce, gab Michael Pittman nach Pittsburgh ab und holte im August noch Keenan Allen. Die Folge: Gegnerische Defenses konzentrieren sich auf Downs, ausgerechnet in seinem Vertragsjahr. In sieben Spielen kam er auf 26 Catches und 307 Yards, Bestwert im Team, aber ohne Touchdown.
Das Problem beim Preis ist sein Vertrag. Downs ist 25 Jahre alt und spielt das letzte Jahr seines Rookie-Deals. Wer ihn holt, bekommt ihn sicher nur für den Rest der Saison. Die geforderte dritte Runde hat Insider Jordan Schultz gemeldet, realistischer ist ein Viertrundenpick. Die Vergleichswerte sprechen dafür: Rashid Shaheed brachte vor einem Jahr einen Viert- und einen Fünftrundenpick, Jakobi Meyers einen Viert- und einen Sechstrundenpick.
Interesse gibt es von drei Teams mit unterschiedlicher Dringlichkeit. Die Washington Commanders haben Terry McLaurin mit einem Riss der Patellasehne für die Saison verloren. Die Pittsburgh Steelers stehen nach dem 27:6 gegen Cleveland bei 6-2 und allein an der Spitze der AFC North. Und die Kansas City Chiefs telefonieren seit Wochen nach Receivern, Downs gilt dort eher als Plan B.
Der seltsame Fall Brian Thomas Jr.
Als Plan A gilt in Kansas City ein Spieler, den man vor einem Jahr nicht auf dieser Liste erwartet hätte. Brian Thomas Jr. fing als Rookie 2024 87 Pässe für 1.282 Yards und zehn Touchdowns. Danach ging es stetig bergab: 707 Yards im zweiten Jahr, in dieser Saison phasenweise kaum noch Teil der Offense von Head Coach Liam Coen. In zwei Spielen im Oktober fing er keinen einzigen Ball, in einer Partie stand er nur bei 21 Prozent der Snaps auf dem Feld. Parker Washington ist inzwischen die erste Option.
Das Kuriose daran: Die Jacksonville Jaguars sind kein Verkäufer im klassischen Sinn. Sie haben am Sonntag die Colts mit 42:7 abgefertigt und führen die AFC South mit 5-2 an. Laut Fowler rechnen trotzdem mehrere Teams damit, dass Jacksonville Thomas abgibt. Für Käufer ist er attraktiver als Downs, weil sein Rookie-Vertrag bis 2027 läuft und er erst 24 ist. Für die Jaguars wäre es ein Trade, bei dem sie einen Spieler mit Pro-Bowl-Potenzial abgeben, der in ihr System einfach nicht passt. Neben den Chiefs werden auch hier die Steelers genannt.
Quarterbacks: Brissett ist plötzlich frei
Am Sonntag lag Arizona in Dallas im dritten Viertel 3:17 zurück, Jacoby Brissett, der in dieser Saison auf magere 5,6 Yards pro Passversuch kommt, musste raus. Gardner Minshew warf drei Touchdown-Pässe, und die Arizona Cardinals gewannen 33:30 in der Overtime. Minshew bleibt Starter, Rookie Carson Beck wird Backup, Brissett rutscht auf Platz drei.
Ein Quarterback mit elf Jahren NFL-Erfahrung als QB3 ist ein Trade-Kandidat, auch wenn Brissett in seiner Karriere erst einmal getradet wurde (2017 von New England nach Indianapolis). Brissett hat einen Einjahresvertrag über 15,5 Millionen Dollar, ein neues Team müsste noch gut fünf Millionen übernehmen, die Cardinals könnten einen Teil davon selbst tragen, um mehr zu bekommen. Interessenten liegen auf der Hand: Teams, denen gerade der Quarterback weggebrochen ist. Baltimore, wo nach Lamar Jacksons Daumenoperation auch Tyler Huntley länger ausfällt, wird bereits mit Tyson Bagent von den Bears in Verbindung gebracht. Chicago hat Anfragen für seinen Backup bisher abgeblockt.
Clowney und Barkley: einmal vielleicht, einmal nein
In Houston wird Jadeveon Clowney angefragt, wie ESPN-Insider Adam Schefter berichtet. Der 33-Jährige spielt hinter Will Anderson Jr. und Danielle Hunter nur noch 37 Prozent der Snaps, steht bei 1,5 Sacks und kostet fast nichts: Ein neues Team übernimmt nur etwa die Hälfte seines Grundgehalts von 2,5 Millionen Dollar. Die Texans bieten ihn nicht aktiv an, und Clowney drängt nicht auf einen Wechsel. Für einen Contender, der für die Playoffs einen Situations-Pass-Rusher sucht, ist er trotzdem einer der günstigsten Kandidaten auf dem Markt.
Klar ist dagegen der Fall Saquon Barkley. Die Philadelphia Eagles haben sechs Spiele in Folge verloren und müssen wohl den Rest der Saison ohne Jalen Hurts auskommen. Ein typischer Verkäufer also. Laut NFL Network bleibt Barkley trotzdem bis über die Deadline hinaus in Philadelphia.
Der größte Name, der in dieser Woche noch wechseln könnte, ist damit ein Running Back aus Indianapolis. Die meisten anderen Deals werden in der vierten oder fünften Runde entschieden.
