Lamar Jackson muss am Daumen operiert werden, Saison in Gefahr
Ein Snap, dann war das Comeback in Buffalo vorbei. Jackson kommt auf die Injured Reserve, Backup Huntley ist ebenfalls verletzt, und am Donnerstag kommt Jacksonville.
Ein Snap. Mehr war für Lamar Jackson bei seinem Comeback in Buffalo nicht drin. Beim ersten Spielzug der Ravens-Offense, einem Pass auf Zay Flowers, schlug seine rechte Wurfhand gegen den Arm von Bills-Pass-Rusher Greg Rousseau. Jackson ging mit bandagierter Hand an die Seitenlinie, kurz darauf in die Kabine, noch im ersten Viertel war er für den Rest des Spiels raus.
Am Abend folgte die Diagnose, die in Baltimore niemand hören wollte: Der Daumen muss operiert werden, Jackson kommt auf die Injured Reserve List. Auf die Frage, ob damit die Saison für seinen Quarterback beendet sein könnte, antwortete Head Coach Jesse Minter mit einem Wort: „Potenziell.“
Die Baltimore Ravens verloren 10:36 in Orchard Park, die dritte Niederlage in Folge, und stehen jetzt bei 4-4. Einen Zeitplan für die Rückkehr nannte das Team nicht. Fest steht nur, dass Jackson auf der Injured Reserve mindestens vier Spiele fehlt.
Am Ende stand ein Undrafted Rookie in der Pocket
Der Sonntag wurde danach noch schlimmer. Tyler Huntley, der Jackson schon in den drei Spielen davor vertreten hatte, verletzte sich im zweiten Viertel bei einem Tackle am rechten Zeh. Laut ESPN-Insider Adam Schefter besteht der Verdacht auf Turf Toe, eine MRT soll Klarheit bringen. Huntley hatte bis dahin 2 von 4 Pässen angebracht, für null Yards.
Nach der Pause, beim Stand von 7:16, stand Joe Fagnano auf dem Feld: ein ungedrafteter Rookie von der University of Connecticut, der bis Sonntag keinen einzigen Snap in der NFL gespielt hatte. Fagnano brachte 10 von 21 Pässen für 91 Yards an, warf eine Interception und verlor einen Fumble. Buffalo zog davon. Wäre auch er ausgefallen, hätte Running Back Justice Hill übernehmen müssen.
Zwölf Punkte weniger pro Spiel
Wie sehr Baltimore an seinem Quarterback hängt, zeigt diese Saison schon vor der Daumenverletzung in aller Deutlichkeit. Mit Jackson als Starter gewannen die Ravens drei der ersten vier Spiele und erzielten im Schnitt 29,8 Punkte. In den drei Spielen mit Huntley waren es 17,7 Punkte und eine Bilanz von 1-2. Vor dem Spiel in Buffalo hatte die Offense ohne Jackson in 14 Vierteln ganze fünf Touchdowns zustande gebracht.
Dazu kommt die Tabelle. In der AFC North sind die Ravens jetzt Letzter: Pittsburgh steht bei 6-2, Cleveland bei 5-3, Cincinnati bei 4-2. Neun Spiele sind noch zu spielen, abgeschrieben ist Baltimore damit nicht. Aber mit einem Ersatz-Quarterback mindestens zwei Divisionsrivalen zu überholen, ist eine andere Aufgabe als die, mit der man im September geplant hatte.
Vier Tage bis Jacksonville, kein Quarterback im Practice Squad
Das Timing könnte kaum schlechter sein. Am Donnerstag empfangen die Ravens die Jacksonville Jaguars, die bei 5-2 stehen und am Sonntag die Colts mit 42:7 überrollt haben. Dass Huntley mit seiner Zehenverletzung nach vier Tagen wieder spielen kann, gilt als unwahrscheinlich. Fagnano droht also sein erster NFL-Start, ausgerechnet im Thursday Night Game gegen eine Defense, die gegen Indianapolis drei Turnover erzwungen hat.
Einen Quarterback im Practice Squad hat Baltimore nicht. Bis Donnerstag muss also mindestens ein neuer Spielmacher her, damit überhaupt zwei gesunde Quarterbacks im Kader stehen. Der freie Markt gibt wenig her:
- Jimmy Garoppolo ist vereinslos und hat als Starter eine Bilanz von 43-21, dachte im Frühjahr aber schon ans Karriereende.
- Cooper Rush kennt das System, die Ravens hatten ihn erst im März entlassen. Atlanta verpflichtete ihn im Juli und gab ihn am 19. Oktober wieder frei.
- Josh Johnson (Bengals) und Easton Stick (Buccaneers) stehen in fremden Practice Squads und könnten direkt in den 53er-Kader geholt werden.
Keiner dieser Namen verändert die Rechnung grundsätzlich. Es geht darum, ein Spiel in vier Tagen zu überstehen, nicht um einen Ersatz für einen zweifachen MVP.
Der zweite lange Ausfall in zwei Jahren
Für Jackson selbst reiht sich die Verletzung in eine unangenehme Serie ein. In der vergangenen Saison verpasste er vier Spiele und war in weiteren durch Probleme an Bein und Rücken eingeschränkt, Baltimore beendete das Jahr mit 8-9 und ohne Playoffs. In diesem Jahr kam erst die hohe Knöchelverstauchung in Woche 4, jetzt der Daumen an der Wurfhand.
Jackson ist 29 und steht im vierten Jahr seines Fünfjahresvertrags über 260 Millionen Dollar. Besitzer Steve Bisciotti sagt seit Langem, er wolle ihn für immer in Baltimore halten. Ernsthafte Gespräche über eine Verlängerung hat es Berichten zufolge bisher nicht gegeben.
Behält Minter mit seinem „potenziell“ recht, steht Jackson am Ende dieser Saison bei vier Spielen, plus genau einem Snap seit dem 4. Oktober.
