Chargers bei 0-7: 27 Drives ohne Touchdown
Die Defense hält, die Offense trifft nicht. Warum das Problem der Chargers bei Herbert und McDaniel liegt und nicht in der Abwehr.
27 Drives. So lange haben die Los Angeles Chargers keinen Touchdown mehr erzielt, der letzte gelang im dritten Viertel von Woche 5 gegen Denver. Länger war in der NFL zuletzt nur die Durststrecke der Miami Dolphins 2024, mit 30 Drives. Deren Head Coach damals: Mike McDaniel, heute Offensive Coordinator in Los Angeles.
Auch beim 9:24 gegen die Los Angeles Rams riss die Serie nicht. Die Chargers stehen bei 0-7 und sind das einzige sieglose Team der Liga. So schlecht waren sie zuletzt im Jahr 2000, damals noch in San Diego, mit einem Quarterback namens Jim Harbaugh. Die Saison endete mit 1-15.
Ein Spiel, das die Defense eigentlich gewonnen hatte
Wer nur das Ergebnis sieht, vermutet eine Klatsche. Das Spiel lief anders. Die Rams kamen in ihren ersten 16 Spielzügen auf 14 Yards und keinen einzigen First Down, zur Pause standen 90 Yards Raumgewinn. Third Downs verwandelte Los Angeles nur dreimal in elf Versuchen, insgesamt kamen die Rams auf 281 Yards. Cornerback Tarheeb Still fing schon beim ersten Drive eine Interception von Matthew Stafford.
Die Offense machte daraus fast nichts. Vier Drives begannen an der 40-Yard-Linie der Rams oder näher an der Endzone, herausgekommen sind drei Punkte. Dreimal hintereinander endete ein Drive mit einem Field Goal von Cameron Dicker (34, 46 und 41 Yards). „Wir müssen Punkte machen, und das können nicht nur Field Goals sein“, sagte Left Tackle Joe Alt.
Vor der Pause lagen die Chargers trotzdem nur 9:10 zurück. Herbert warf mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit einen Hail Mary, der Ball sprang von Quentin Johnston zu Ladd McConkey, der an der 1-Yard-Linie gestoppt wurde. Ein Meter fehlte zur Führung. Danach erzielten die Rams direkt nach Wiederanpfiff den nächsten Touchdown, und das Spiel war gelaufen.
Im Fußball würde man sagen: optisch überlegen, aber vorne harmlos.
Zehn Interceptions in sieben Spielen
Zwei Interceptions am Sonntag, insgesamt zehn, das ist der Höchstwert der Liga. So viele Interceptions hatte Justin Herbert 2023 und 2024 zusammen geworfen, in 30 Spielen. Dazu kommen Zahlen, die man bei einem Quarterback seiner Klasse nicht erwartet:
- Er ist der einzige Quarterback, der 2026 in jedem Spiel eine Interception geworfen hat.
- Als erst vierter Quarterback der NFL-Geschichte startet er mit 0-7 und mindestens einer Interception pro Spiel. Vor ihm schafften das Steve DeBerg (1985), Dennis Shaw (1971) und Norm Snead (1961).
- Seit neun Starts hat er kein Spiel mit mehr als einem Touchdown-Pass. In der Franchise-Geschichte hatte nur Ryan Leaf eine längere Serie (zwölf).
Herbert selbst redete nichts schön. „Ich hätte gerne besser gespielt und bessere Entscheidungen getroffen, aber das habe ich nicht“, sagte er nach dem Spiel. Und: „Die Turnover sind das, was uns aufhält.“ Die Chargers gingen mit den meisten Ballverlusten der Liga in diesen Spieltag.
Kein Laufspiel, kein Plan B
Ein Teil der Erklärung liegt vor dem Quarterback. Die Chargers liefen gegen die Rams 25-mal für 64 Yards, 2,6 Yards pro Versuch. Mit Alt auf Left Tackle und Rookie Travis Burke auf Right Tackle wirkten die Außenpositionen stabiler, im Zentrum der Line hakt es weiter. Ohne funktionierendes Laufspiel lastet alles auf Herbert, und der wirft in dieser Saison zu oft zum Gegner.
Damit sind wir bei McDaniel. Er war der zentrale Baustein des Offseason-Plans rund um Herbert. Nach sieben Spielen wirkt die Offense vor allem ideenlos, und die Parallele zu Miami 2024 drängt sich auf. Harbaugh hält bislang an seinem Coordinator fest. „Wir sind die Einzigen, die das ändern können, und wir sind hoch motiviert und entschlossen, es zu tun“, sagte er.
Zwei Playoff-Teilnahmen, dann der Absturz
Was die Lage so seltsam macht: Diese Chargers kommen aus zwei Saisons mit je elf Siegen und zwei Playoff-Teilnahmen unter Harbaugh. Der Kader ist nicht über Nacht schlecht geworden, die Defense hat das gegen die Rams gezeigt. Verloren haben die Chargers trotzdem gegen alle: Arizona, Las Vegas, Buffalo, Seattle, Denver, Kansas City und jetzt die Rams.
Am Sonntag kommen die Houston Texans ins SoFi Stadium (22:05 Uhr MEZ). Bleibt die Offense auch dort ohne Touchdown, wird aus dem Festhalten an McDaniel eine Frage, die Harbaugh nicht mehr lange mit Durchhalteparolen beantworten kann.
