Conference Championships: Seahawks und Patriots im Super-Bowl
Zwei Spiele, zwei Welten: In Denver kämpften sich die Patriots durch einen Schneesturm zum 10:7 gegen die Broncos. In Seattle lieferten sich Seahawks und Rams ein Offensiv-Spektakel, das die Seahawks 31:27 für sich entschieden. Die Super-Bowl-Teilnehmer stehen fest.
AFC Championship: New England Patriots 10 - Denver Broncos 7
Beide Teams hatten die reguläre Saison mit 14:3 abgeschlossen. Die Broncos hatten den Nr.-1-Seed der AFC und damit Heimrecht in Denver. Allerdings fehlte ihnen der wichtigste Spieler: Quarterback Bo Nix hatte sich im Divisional-Round-Sieg gegen die Buffalo Bills das Sprunggelenk gebrochen. Für ihn übernahm Backup Jarrett Stidham.
Die Patriots unter dem neuen Head Coach Mike Vrabel hatten eine der erstaunlichsten Turnaround-Geschichten der jüngeren NFL-Geschichte geschrieben: Von 4:13 in der Vorsaison zum Conference Championship im nächsten Jahr. Drake Maye, der junge Quarterback, war als MVP-Kandidat in die Playoffs gegangen. New England war auswärts in dieser Saison ungeschlagen (9:0).
Erste Halbzeit: Defense dominiert, ein Fehler entscheidet
Die Broncos-Defense bremste Maye früh aus. Der Patriots-Quarterback startete mit 3 von 6 Pässen für magere 7 Yards im ersten Viertel. Auf der anderen Seite konnte Stidham zwar das Feld besser bewegen, aber die Patriots-Defense in Manndeckung ließ ihm kaum Platz. Stidham kam gegen Man Coverage auf nur 6 von 15 für 36 Yards und zwei Turnovers.
Der Wendepunkt kam im zweiten Viertel: Stidham versuchte, unter Druck einen kurzen Pass loszuwerden, aber der Ball ging nach hinten und wurde zum Fumble. Die Patriots sicherten den Ball und bekamen eine kurze Feldposition. Maye nutzte sie: Er lief den Ball selbst für einen Touchdown in die Endzone, sein erster Rushing-Touchdown in den Playoffs. 7:0 Patriots.
Die Broncos antworteten. Stidham fand Marvin Mims Jr. für einen 52-Yard-Bombenwurf, der die beste Einzelaktion des Spiels war. Mims rannte Cornerback Christian Gonzalez einfach davon. Der Drive endete mit einem Touchdown-Pass auf Kyren Williams. 7:7 zur Halbzeit. Ein verpasstes Field Goal der Broncos kurz vor der Pause hätte Denver in Führung bringen können.
Zweite Halbzeit: Der Schnee kommt
Als die Teams aus der Kabine kamen, hatte sich Denver in eine Winterlandschaft verwandelt. Schnee fiel auf das Feld und wurde im Laufe der zweiten Halbzeit immer dichter. Normales Passspiel wurde zum Abenteuer.
Die Patriots passten ihre Taktik an. Rhamondre Stevenson lief, Maye scramblte, und ein 16-Spielzüge-Drive zur Eröffnung der zweiten Halbzeit fraß Minuten von der Uhr. Am Ende reichte es nicht für einen Touchdown, aber Jason Myers (der Kicker, der später im Super Bowl Geschichte schreiben sollte, spielte in diesem Spiel nicht, die Patriots hatten ihren eigenen Kicker) trat ein Field Goal. 10:7 Patriots.
Danach: Stillstand. Beide Offenses kamen im Schnee nicht mehr voran. Punt folgte auf Punt. Die Broncos versuchten es einmal auf 4th and 1 mit einem Bootleg-Pass von Stidham, aber Milton Williams kam ungeblockt durch und Stidham fand keinen Receiver. Turnover on Downs.
Der Schlusspunkt: Bei gut zwei Minuten Restspielzeit warf Stidham unter Druck einen tiefen Pass auf Mims, der deutlich zu kurz geriet. Christian Gonzalez fing die Interception ab. Maye erlief danach auf 3rd and 6 das entscheidende First Down mit einem 7-Yard-Scramble und ließ die Uhr auslaufen. Endstand: 10:7.
Einordnung
206 Yards Gesamtoffense für die Patriots, 181 für die Broncos. Kein Glamour, keine Highlights, aber ein Spiel, das zeigte, wie Football unter extremen Bedingungen aussieht: Defense, Laufspiel, Fehlervermeidung. Für New England war es der erste Super-Bowl-Einzug seit 2019 und das erste Playoff-Spiel, das die Franchise je in Denver gewonnen hatte (vorher 0:4). Für die Broncos endete eine bemerkenswerte Saison mit dem bitteren Gefühl, dass es mit dem gesunden Bo Nix vielleicht anders gelaufen wäre.
NFC Championship: Seattle Seahawks 31 - Los Angeles Rams 27
Während Denver im Schnee versank, wartete in Seattle ein völlig anderes Spiel. Die Seahawks (14:3, Nr.-1-Seed der NFC) empfingen die Los Angeles Rams (12:5) zum dritten Saisonduell der NFC-West-Rivalen. Die beiden hatten sich in der Regular Season die Siege geteilt: Seattle gewann das erste Spiel, die Rams das zweite, und das dritte in Woche 16 wurde ein irres 38:37 nach Overtime, das Seattle mit einer Two-Point Conversion gewann. Es war die beste Rivalität der Saison, und jetzt ging es um den Super Bowl.
Erstes Viertel: Seattle setzt den Ton
Die "12s", die berühmten Seahawks-Fans, machten das Lumen Field zum Hexenkessel. Und die Seahawks-Defense lieferte sofort: Three and Out für die Rams beim ersten Drive. Seattles Offense nutzte das. Sam Darnold fand Rashid Shaheed für einen langen Pass, der den Drive eröffnete, und Kenneth Walker III trug den Ball in die Endzone. 7:0 Seahawks.
Matthew Stafford antwortete ruhig. Er bewegte die Rams das Feld herunter, aber in der Red Zone stockte der Angriff und Harrison Mevis trat ein 44-Yard-Field-Goal. 7:3. Seattles nächster Drive endete ebenfalls mit einem Field Goal durch Jason Myers. 10:3 nach dem ersten Viertel.
Zweites Viertel: Stafford dreht auf
Die Rams fanden ihren Rhythmus. Mevis traf ein 50-Yard-Field-Goal zum 10:6. Dann zeigte Stafford, warum er als MVP-Kandidat in die Playoffs gegangen war. Ein Drive voller präziser Pässe, unter anderem 21 Yards auf Puka Nacua, endete mit einem 7-Yard-Touchdown-Pass auf Kyren Williams. Plötzlich führten die Rams 13:10.
Darnold ließ sich nicht beeindrucken. Er traf Jaxon Smith-Njigba, den ligaweit führenden Receiver der Saison, für mehrere wichtige First Downs und stellte die Führung mit einem Touchdown-Pass auf einen 17:13-Halbzeitstand wieder her.
Drittes Viertel: Vier Touchdowns in Serie
Die zweite Halbzeit begann mit einem Geschenk für Seattle: Xavier Smith von den Rams ließ den Punt fallen (Muff), und die Seahawks sicherten den Ball an der 17-Yard-Linie. Ein Spielzug später stand es 24:13, nachdem Darnold Jake Bobo in der Endzone fand.
Stafford konterte sofort mit einem Touchdown-Pass auf Davante Adams. 24:20. Seattle antwortete durch Cooper Kupp, der ausgerechnet gegen sein ehemaliges Team einen 13-Yard-Touchdown fing. 31:20 Seahawks.
Dann der Moment, der beinahe alles kippte: Seattles Defense stoppte die Rams bei 3rd and 12, das Spiel schien entschieden. Doch Cornerback Tariq Woolen wurde für Taunting bestraft (Provokation an der Rams-Seitenlinie). Automatisches First Down statt Punt. Stafford bedankte sich mit einem 34-Yard-Touchdown-Pass auf Puka Nacua. 31:27. Vier Touchdown-Drives in Serie, das dritte Viertel war ein Offensiv-Feuerwerk.
Viertes Viertel: Darnold hält die Nerven
Die Rams bekamen den Ball zurück und marschierten das Feld herunter. Stafford warf für 374 Yards an diesem Tag, 226 davon bei Pässen von 20+ Air Yards. Er war brillant. Aber am entscheidenden Punkt, tief im Seahawks-Territory, stoppte die Defense. 4th Down, Stafford warf incomplete. Turnover on Downs. Die Seahawks hatten den Ball zurück.
Und hier zeigte sich der neue Sam Darnold. Statt den Ball konservativ zu laufen, ließen die Seahawks ihn werfen. Darnold traf Cooper Kupp auf 3rd and 8 für ein knappes First Down. Der Drive fraß fast die gesamte restliche Spielzeit. Die Rams bekamen den Ball mit 25 Sekunden zurück, aber ohne Timeout war es hoffnungslos.
Einordnung
Dieses Spiel hatte alles: Momentum-Wechsel, einen Muff, eine umstrittene Taunting-Penalty, zwei Quarterbacks, die auf höchstem Niveau spielten, und ein Ende, das erst feststand, als die Uhr auf 0:00 lief. Darnold beendete das Spiel mit 25 von 36 Pässen, 346 Yards und drei Touchdowns, alle drei unter Druck geworfen. Stafford war mit 374 Yards und drei Touchdowns statistisch sogar besser, aber sein Team konnte die entscheidenden Drives nicht zum Touchdown abschließen.
Für die Seahawks war es der Einzug in ihren dritten Super Bowl der Franchise-Geschichte. Für Darnold das Spiel, das seine Karriere endgültig umdrehte. Für die Rams eine bittere Niederlage gegen den Division-Rivalen, mit der Frage, ob der 37-jährige Stafford noch eine weitere Chance auf den Titel bekommen würde.
Das Super-Bowl-Duell steht fest
New England Patriots gegen Seattle Seahawks. Die Neuauflage des legendären Super Bowl XLIX von 2015, als Malcolm Butler an der Goal Line den Pass von Russell Wilson abfing. Diesmal mit anderen Quarterbacks (Maye vs. Darnold), aber mit derselben Rivalität zwischen den Franchises. Der Super Bowl LX findet am 8. Februar 2026 im Levi's Stadium in Santa Clara statt.
