Mission Superbowl: Wer fährt nach New Orleans?
Vier Teams sind noch im Rennen um die Super Bowl XLVII. Am Sonntag wird sich entscheiden, welche beiden Mannschaften sich am 3. Februar im Superdome gegenüber stehen werden.
NFC Championship Game: Atlanta begrüßt San Francisco
14 Jahre ist es her, als die Atlanta Falcons zum ersten und bislang auch letzten Mal in einer Super standen. Am 31. Jänner 1999 unterlagen sie in Miami dem damaligen Maß der Dinge in Person von John Elway und seinen Denver Broncos.
Seither hat Atlanta zwar noch sechs Mal die Playoff-Phase erreicht, der durchschlagende Erfolg blieb aber aus. 2008, 2010 und 2011 schieden sie jeweils im ersten Spiel Runde der K.O.-Runde aus, heuer aber haben sie diese Hürde wieder genommen. Gegen Seattle sah Atlanta drei Viertel sogar wie der sichere Sieger aus, bevor die Seahawks eine Aufholjagd starteten, die ihnen 31 Sekunde vor Schluss sogar die erste Führung brachte. Doch die „Dirty Birds“ behielten die Nerven. Quarterback Matt Ryan warf zwei lange Pässe und Kicker Matt Bryant fixierte den Einzug in das Conference Final der NFC mit einem Fieldgoal. Das muss dem Team, an dem 1 & Done-Niederlagen der letzten Jahre nagten, Selbstvertrauen gegeben haben. Man ist nicht mehr nur im Grunddurchgang ein Faktor mit dem man rechnen muss, man spielt auch in der Post-Season wieder eine gewichtige Rolle. Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten müssen sie auch haben, kommt nun ein ganz harter Brocken auf sie zu.
Die San Francisco 49ers sind bei den Buchmachern der klare Favorit, obwohl sie auswärts antreten müssen. Das hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste war ihre Leistung im Divisional Playoff gegen den Mitfavoriten Green Bay, bei dem ihre Offense, rund um den entfesselten Quarterback Colin Kaepernick, groß aufspielte und die Packers mit 45:31 niederrang. Trotzdem verlief ihre Saison nicht in einer Geraden, sondern in einer Besorgnis erregenden Sinuskurve. Die Sieg-Niederlagen-Serie weist nämlich eine interessante Konstante auf. Von Woche 1 bis zum letzten Samstag sieht diese so aus: W-W-L-W-W-L-W-W-T-W-W-L-W-W-L-W-W. Zwei Siegen folgte also stets eine Niederlage bzw. in einem Fall ein Unentschieden. Gesetz dieser Serie, sollte am Sonntag Atlanta San Francisco eine Niederlage beibringen.
Tradition und Moderne
Die 49ers sind eines der erfolgreichsten Programme der NFL. Allerdings liegen die großen Erfolge schon eine ganze Weile zurück. Fünf Mal holte man die Super Bowl an die Bay, zuletzt im Jahr 1994. Seither stand sie aber nicht einmal mehr in einem Conference Final und gerade die jüngste Vergangenheit, bevor Head Coach John Harbaugh kam, sah gar nicht gut aus. Es ist also zu einem großen Teil dem Mann geschuldet, den sie von der Stanford University loseisen konnten, dass ihr Name wieder in einem Atemzug mit den ganz Großen der Liga genannt wird.
Für beide Mannschaften führt der Weg zur Super Bowl also über das Abrufen ihres Potentials, denn dass beide das Zeug dazu haben, in das Endspiel einzuziehen, das steht nach der bisherigen Saison fest. Wer an dem Tag mehr von dem was in ihm steckt auf den Boden des Georgia Domes bekommt, der wird am Ende auch jubeln dürfen. Den 49ers steht vielleicht der etwas größere Topf an Vorteilen gegenüber den Falcons zur Verfügung, die ihr Heil in der Big Play-Flucht nach vorne über die explosive Offense von Matt Ryan mit seinen Anspielstationen Tony Gonzalez, Roddy White und Julio Jones suchen könnten. San Francisco hat neben einer starken Defense, die durchaus in der Lage ist Atlanta massiven Schaden zuzufügen, die noch immer unbeschwert wirkende Laufkraft eines Colin Kaepernick auf seiner Seite. Eine Unbeschwertheit, die auch ein wenig auf Unerfahrenheit basiert und daher schnell zur Unsicherheit werden kann. Gegen Green Bay sah man davon allerdings nichts.
New England Patriots vs. Baltimore Ravens: The old Men down the Road
Zwei Super Bowl MVPs stehen sich danach im Titelspiel der AFC gegenüber. Tom Brady (2002, 2004) und Ray Lewis (2001). Lewis, der heuer den Ravens lange Zeit wegen einer Verletzung fehlte, kündigte seinen Rücktritt nach der Saison an. Ein Schachzug des Altmeisters, der damit seinem Team ein weiteres Motiv geben soll, um eine zweite Lombardi Trophy in die Stadt Edgar Allen Poes zu holen. Gegen Denver hat das sensationell geklappt. In einem der bemerkenswertesten Playoff-Spiele der Neuzeit, trat Baltimore mit einem 38:35-Erfolg über Peyton Mannings Denver Broncos in der zweiten Overtime die Heimreise nach Maryland an. Joe Flacco, der sich mittlerweile dem Schicksal seines Schattendaseins gefügt hat, ließ Taten statt Worte sprechen. Big Plays satt - Jacoby Jones und Torrey Smith waren die Begünstigten einer Flacco-Show, die ihm nur wenige in der Form auch zugetraut hätten. Nun schweigen die Kritiker. Flacco hat es allen gezeigt.
Ob Baltimore gegen New England zusätzliche Motivation gebraucht hätte, das kann man fast ausschließen, denn zu frisch sind noch die Erinnerungen an das Conference Final des Vorjahres, welches genau diese Paarung zeigte. Kicker Billy Cundiff hatte es damals für die Ravens auf dem Fuß, davor Lee Evans in seiner Hand – beide versagten und New England zog glücklich ins Endspiel ein. Evans und auch Cundiff gibt es in Baltimore nicht mehr, zweiter nach einer Kurzverpflichtung nun auch von den 49ers entlassen wurde. Mit Justin Tucker sollte dieses Problem nicht mehr auftreten. Der ist zwar noch jung an Jahren, aber geht wie ein alter Hase an die Sache ran. Er hat alle Extrapunkte verwandelt und 30 seiner 33 Fieldgoals zwischen die Uprights gesetzt.
Als Nachteil für die Ravens könnte sich das Spiel gegen Denver erweisen, das auf Grund der Überlänge zu einem Kraftakt für sie wurde. Wie viel Power ließ man auf Mile High zurück? New England dagegen spazierte fast in dieses Divisional Playoff, waren die Texans den Patriots in keiner Phase des Spiels gewachsen. Obwohl man mit Rob Gronkowski (Armbruch) den nominell stärksten Offense-Spieler früh verlor, war es einzig und allein Houston, das ein Problem hatte. Kaum war „Gronk“ draußen, übernahm Shane Vereen die Rolle des Go2Guys. Drei Touchdowns aus dem scheinbaren Nichts. Vereen war im Laufe der Saison ein gefälliger Spieler, aber hatte nie eine derartige Partie zuvor abgeliefert. Im gesamten Grunddurchgang erzielte der erst 23-jährige Runningback einen einzigen Touchdown. Damit ist auch die Stärke New Englands definiert: Es kann jeder zu jeder Zeit ersetzt werden. Bis vielleicht auf Tom Brady, neben Head Coach Bill Belichick, die zweite Konstante New Englands der vergangenen 13 Jahre. Um dieses Duo herum formiert sich ein Team, das stark an ein Haifischgebiss erinnert. Jeder kann zum Star werden, da das Team der Star ist.
Emotion und Coolness
Für Baltimore spricht, dass sich keines der anderen Teams mit so viel emotionaler Power auf einer Mission befindet. Hier werden vielleicht ein weiteres Mal nach Denver Kräfte frei, mit der der Gegner am Ende nicht zurande kommt. Genau andersrum ist es bei New England, deren Gefühl auf Coolness beruht. Die Ravens sind fired up und würden am liebsten vor dem Spiel das Stadion zerkleinern, die Patriots nehmen das Skalpell zur Hand und führen einen kleinen Schnitt nach dem anderen durch. Mit dem Unterschied, dass bei ihnen im besten Fall für sie der Patient die Operation nicht überlebt.
In Summe stehen den Fans zwei großartige Matchups in den Championships ins Haus und – das ist heute schon fix – eine noch nie dagewesen Paarung in einem Finale, denn weder stand New England noch Baltimore jemals Atlanta oder San Francisco in einer Super Bowl gegenüber. Das, so viel kann man sagen, wir sich am Sonntag ändern. Die offene Frage ist nur mehr inwiefern.
