Die Problemzone bearbeiten
Philipp Eitzinger über Ursache und Wirkung bei den Miami Dolphins, wo sich im Vergleich zum Vorjahr einiges getan hat und es nicht mehr die Eisverkäufer sind, die Tannehill bewachen.
Ursache und Wirkung. Letzlich lässt sich alles darauf herunterbrechen. Miami hatte in der letzten Saison nicht nur einen ziemlich garstigen Bullying-Skandal. Dieser brachte natürlich ziemlich Unruhe in die Mannschaft, ja, gar keine Frage. Aber zum anderen verdeckten die Troubles rund um Tackle Jonathan Martin, dem Opfer, und Richie Incognito, dem Haupt-Täter, eines: Dass man nämlich die O-Line auch mit mittelmäßig begabten Eisverkäufern austatten hätte können und diese auch nicht schlechter ausgesehen hätten, als die gut bezahlten Profis.
58 Mal wurde Quarterback Ryan Tannehill nämlich 2013 gesackt. Eine peinlich hohe Zahl. Ein Wunder, dass es überhaupt acht Siege geworden sind. Und, dass Tannehill noch lebt. Irgendwie.
Offensive-Line-Coach Jim Turner hat die Off-Season nicht in seinem alten Job überlebt. Auch GM Jeff Ireland wurde geaxt. Ursache und Wirkung: Der neue GM Dennis Hickey magazinierte die Dolphins vornehmlich mit Guards und Tackles auf. Branden Albert kam von den Chiefs, Samson Satele kam von den Colts, Shelley Smith von den Rams, Ja'Wuan James, Billy Turner und Terrence Fede wurden gedrafet. Nur Center Mike Pouncey blieb von letztem Jahr übrig.
Gegen die Patriots musste Tannehill einmal zu Boden. Ein einziges Mal. Auch, weil zudem der von Denver geholte RB Knowshon Moreno ausgezeichnete Fähigkeiten in der Pass Protection besitzt. Tannehill blieb auf den Füßen und damit in der Comfort Zone. Folge: zwei Touchdown-Pässe. Ein Passer Rating von 79,9 ist jetzt nicht die Welt, schon klar, aber es war genug, um den Patriots ein 33:20 mitzugeben. Und die sind ja nicht die schlechtesten.
Natürlich: Miami hat noch andere Probleme. Die Eindimensionalität von Einser-Receiver Mike Wallace etwa, der ja vornehmlich die zentralen Routen läuft. Die Secondary ist Durchschnitt, bestenfalls. Und wie gut Tannehill wirklich ist, muss er in seinem dritten Jahr in der Liga zeigen. Mit Bill Lazor holte Neo-GM Hickey für ihn aber jenen QB-Coach, der letzte Saison in Philadelphia Wunderdinge mit Nick Foles anstellte.
In den letzten zwölf Jahren absolvierten die Dolphins genau ein einziges Playoff-Spiel. Ursache und Wirkung? Klappt’s diesmal, spricht’s zumindest nicht gerade für Hickeys Vorgänger.
