Draft-Strategie: Need-basiert - NFL-Crush

Draft-Strategie: Need-basiert

Der NFL-Draft 2013 ist Geschichte. Simon Traxl zieht eine Bilanz und vergibt die ersten "Draft-Awards" von NFL-Crush.

Das Wichtigste zuerst: Manti Te'o wurde wirklich gedraftet. Nicht in der ersten Runde, aber immerhin: die San Diego Chargers tauschten Picks mit den Arizona Cardinals und nahmen den Linebacker aus Notre Dame an der 38. Position.
Die größte Storyline hätten wir also abgearbeitet und wir können uns den wirklich wichtigen Dingen widmen.

Gab es im diesjährigen Draft Momente, die zu exzessivem Kopfkratzen und hervorstechenden Augen führten? Dass die Bills E.J. Manuel als ersten Quarterback vom Board nehmen haben sich nur wirklich Leute gedacht, die generell verkünden: Hab ich doch gesagt! Mindestens genauso überraschend war der tiefe Fall von Sharrif Floyd. Der Defensive Tackle fiel und fiel - bis sich die Minnesota Vikings erbarmt haben und sich nun das Steal-Kapperl aufsetzen. Wir werden sehen, ob die 22 Teams vorher recht hatten, oder die Vikings die einzig schlauen waren. Weil wir gerade dabei sind: die Vikings haben in Summe dreimal in der ersten Runde gepickt. Um es ein drittes Mal zu tun, gaben sie den New England Patriots unzählige (= drei zusätzliche) Picks und die ganze Welt bleibt verwundert zurück: Wie macht das Bill?

Weniger überraschend war, dass Teams dieses Jahr besonders auf ihre Needs bedacht waren. Der General Manager der 49ers, Trent Baalke, hat das mit der großen Ausgeglichenheit der Spieler begründet. Das erklärt übrigens auch das kollektive Bündeln von Position wie Offensive Line zu Beginn und Inside Linebackern in der Mitte der zweiten Runde.

Über Björn Werner haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Sein Counterpart in der Defensive Line der Florida State Seminoles, Cornellius Carradine ging nicht viel später zu den San Francisco 49ers. Diese haben - wie auch schon letztes Jahr - mit "Tank" Carradine und dem talentierten (aber verletzten) Running Back Marcus Lattimore Spieler geholt, die ein Redshirt verpasst bekommen.

Im Gegensatz dazu haben die Atlanta Falcons zu Beginn zwei Cornerbacks geholt, die sofort und viel Einsatzzeit bekommen werden. Überhaupt: Der Draft der Falcons ist amüsant: CB, CB, DE, TE, DE. Man könnte glatt meinen, dass sie mit einer 50% Bust Rate rechnen.

Spekuliert haben viele damit, unter anderem wir in unserem Mock Draft: die Cincinnati Bengals draften den ersten Running Back (erst) in der zweiten Runde an #37. Dass sie nicht Eddie Lacy, sondern Giovani Bernard genommen haben, sei ihnen verziehen. Jedenfalls wird der junge Mann auch sofort seinen Gehalt rechtfertigen müssen.

Wenn sie sich nun fragen, wo jetzt die groben Fehlgriffe bleiben: Ich finde keinen. Selbst der vermutlich etwas zu früh genommene Center Travis Frederick wird den Dallas Cowboys Freude bereiten. Damit ist das ja nicht so grundsätzlich falsch. Alles nach der dritten Runde ist dann sowieso reine Spekulation, Projektion und Ergänzung. Wenn ein Spieler wie Jesse Williams, der in vielen Mock Drafts in Runde 1 gewählt wurde, schließlich und endlich in Runde 5 geht, nun ja, dann wird seine Verletzungssituation vielleicht doch nicht so rosig sein.

Es gab dieses Jahr auch keinen Spezialisten, der in Runde 3 genommen wurde. Die Jacksonville Jaguars haben brav gewartet und Denard Robinson erst an 135. Position gewählt.

Bevor wir zur großen Preisverleihung kommen, bleibt also nur mehr eine letzte Frage: Was hat Chip Kelly mit Matt Barkley vor?

Die ersten NFL DRAFT Awards von NFL-Crush:

  • Alex Smith Award
    (für die schlechtest mögliche Situation, in die ein Spieler geraten kann):
    • Geno Smith -  Jets
  • Aaron Rodgers Award
    (für den Quarterback, der die nächsten drei Jahren von einem Mentor "lernen" darf):
    • Ryan Nassib - Giants
  • Marcus Vick Award
    (für den Spieler, bei dem ein Team auf ähnlich gute Gene hofft):
    • Kyle Long - Bears
  • Kentwan Balmer Award
    (für den Spieler, bei dem sich ein Team Ende der ersten Runde denkt: So schlecht wird er nicht sein):
    • Sharrif Floyd - Vikings
  • Tom-Brady-Lookalike Award
    (für den Spieler, bei dem sich ein Team sagt: Ich finde den nächsten Tom Brady):
    • Zac Dysert - Broncos
  • Bill-Belichick-ist-so-ein-netter-Typ Award
    (für das Team, das seine Draft-Picks den Patriots gibt):
    • Minnesota Vikings
  • Frank-Gore-Lookalike Award
    (für den Spieler, bei dem ein Team die Verletzungen ausblendet):
    • Marcus Lattimore (49ers) und D.J. Hayden (Raiders)
  • Al Davis Award
    (für den Spieler, der nur wegen Speed gedraftet wurde):
    • dieses Jahr nicht vergeben
  • Glenn Dorsey Award
    (für den Spieler, der so gar nicht in das System zu passen scheint):
    • Björn Werner - Colts
  • Janoris Jenkins Award
    (für den "Mut kann man sich nicht kaufen!" Pick):
    • Tyrann Mathieu - Cardinals