ENDZONE: Omaha gibt es nicht - NFL-Crush

ENDZONE: Omaha gibt es nicht

Die Divisional Playoffs der NFL konnten nicht ganz halten, was die Wild Card-Spiele versprachen. Die Hoffnung auf starke Conference Finals ist aber nicht aufgrund der Teilnehmer berechtigt.

New Orleans orientierungslos, Indianapolis chancenlos, Carolina hilflos und San Diego lustlos. Die „Viertelfinalspiele“ am vergangenen Wochenende waren, außer man frönt als Liebhaber der Seahawks, Patriots, 49ers und Broncos der selektiven Ausblendung zu Gunsten des Weiterkommens, zumindest im Vergleich zu den doch sehr aufregenden Wild Cards, nur ein lauwarmes Süppchen.

Das begann schon am Samstag beim Auftaktspiel zwischen den Seattle Seahawks und den weitgehend neben sich stehenden New Orleans Saints. Seattle brachte nichts allzu Überraschendes ins Spiel ein, musste das auch nicht, versteckte der Gegner zunächst auch noch auch brav sein Passspiel vor der besten Secondary der Liga. New Orleans meinte offenbar vor dem Spiel noch, den Weg in die Conference Finals zu Fuß gehen zu können, was am Ende dann – wieder einmal – nur Marshawn Lynch gelang. Der spielte allerdings für den Gegner. Die Saints aktivierten in der zweiten Spielhälfte zwar den Brees-Turbo, die Rettungsversuche durch die Luft führten sie am Ende aber auch nicht ans Ziel, dafür aber in eine aberwitzige Situation. Mit acht Punkten Rückstand und Ballbesitz hätte New Orleans theoretisch noch Seattles Endzone attackieren können, als Marques Colston einen Pass von Brees an der gegnerischen 38 fing. Anstatt aber Out Of Bounds zu gehen, entschloss sich der Receiver zu einem weiteren Vorwärts-Pass. Wenn man glaubt, man habe schon alles gesehen im Profi-Football, kommt immer noch etwas, was man nicht erwarten durfte. Colstons zweiter Pass war nicht nur inkomplett, sondern führte zu einer Raumstrafe und – das viel schlimmer für New Orleans – einer Zeitstrafe (10 Seconds Run Off). Die Uhr war damit abgelaufen. Es war das „richtige“ Ende, denn Seattle hat sich diesen Sieg verdient, wenn sie auch offensiv, neben Lynch, der für mehr als die Hälfte aller Yards der Seahawks und alle ihre Touchdowns zuständig war, auffällig wenig zu bieten hatten.

Nichts zu lachen

Der Abend ging weiter, mit dem Spiel zwischen den Luck-Colts und Brady-Patriots. Die großzügig gezogenen Vergleiche zwischen den beiden - der eine (Luck) als kommende Generation, der andere (Brady) als Veteran - mündeten dann herrlich im Nichts. Der hervorragend funktionierende Gameplan von New England sah Tom Brady deutlich weniger im Fokus als die Runningbacks LeGarette Blount und Stevan Ridley. Die Patriots liefen bei 46 Versuchen für 234 Yards und erzielten alle ihre sechs Touchdowns per pedes - ein neuer AFC-Playoff-Rekord. Brady blieb ohne Touchdown, was ganz offensichtlich der Agenda nicht schadete, sah sie das sogar vor. Es ist (und bleibt wohl) auch so, dass man Belichick und Pagano nicht auf einem Niveau einer Messung zuführen kann, die, bleibt sie streng sachlich, dann nicht zu Ungunsten des Colts Cheftrainers ausfällt. Es gibt gute Coaches, es gibt bessere Coaches und dann gibt es noch die Kategorie BB. Der (Bill Belichick) übrigens - eine interessante Statistik erhoben vom Wall Street Journal - bei den heurigen Pressekonferenzen in Summe sieben Mal gelächelt hat. Ein neuer Rekord. Der Mann wird glatt noch zum Komiker. Allerdings kam ihm erst Mitte Oktober der erste Grinser der Saison aus.

Indianapolis hatte defensiv dem laufenden Treiben der Neuengländer wenig entgegen zu setzen. Offensiv schwankte Luck zunächst mit seinem Passspiel und fiel am Ende mit vier Interceptions auch ordentlich hin. So muss er sich dann eher Vergleiche mit Andy Dalton oder Joe Flacco als mit den ganz großen Spielmachern gefallen lassen. Lassen wir es mal dabei, dass der junge Mann sicher in den Topf der guten Quarterbacks gehört, aber bei weitem noch nicht dort ist, wo die großen Vorbilder ihre Gerichte zubereiten. Wie auch? Es ist ihm noch kein Vorwurf zu machen. Von einem Sieg in einem Playoff gegen ein Kaliber wie New England darf man dann aber auch, selbst bei optimistischer Einschätzung, eigentlich nicht ausgehen.