Long Snap #7: Bradford weg, Verzweiflung da - NFL-Crush

Long Snap #7: Bradford weg, Verzweiflung da

Philipp Eitzinger beleuchtet in der siebten Ausgabe seiner Kolumne „Long Snap“ die Verzweiflung der Rams rund um ihren verletzten Quarterback Sam Bradford.

"Danke - aber nein, danke!" So in etwa war die Reaktion von Brett Favre. Der mittlerweile 44-Jährige, der so so lange mit seinem Karriere-Ende kokketiert hatte, dass es schwer fiel, daran zu glauben, als es wirklich da war, wurde kurzzeitig zum Objekt der Begierde. Was aber nicht nur für den Legendenstatus spricht, den Favre hat. Sondern auch für die ultimative Verzweiflung der Rams, die ihm das Angebot zum Comeback gemacht hatten.

Wegen dem Kreuzband nämlich. Jenem von Sam Bradford. Es hat sich letzte Woche verabschiedet - für den Quarterback der Rams hat sich die Saison damit erledigt. Womit der 25-Jährige einen großen Schritt gemacht hat, als einer der größten Flops der #1-Draftpick-Geschichte einzugehen. Nicht so dramatisch vielleicht wie JaMarcus Russell. Aber von den gigantischen Erwartungen, die an Bradford gesetzt wurden und der er in seiner Rookie-Saison auch gerecht wurde, entfernte er sich immer mehr.

Von der Erinnerung waren die Rams und ihre Fans getragen, als Bradford kam. Denn was waren das noch für Zeiten. Ein Super-Bowl-Sieg, zwei Jahre später wieder eine Teilnahme am Spiel der Spiele. Kurt Warner, Marshall Faulk, Torry Holt, die "Greatest Show on Turf". Die St. Louis Rams waren um die Jahrtausendwende herum die beste Mannschaft der NFL.
Vorbei. Lange schon. Am Ende der Saison 2009 waren die Rams ein hoffnungsloser Haufen, der Fußabstreifer der Liga, der Lächerlichkeit preisgegeben. Mit einem einzigen Sieg in der ganzen Saison. Ernüchternde Bilanz der Jahre 2007 bis 2009: 7 Siege, 41 Niederlagen. Und dann kam Sam Bradford.

Der #1-Draft-Pick von Oklahoma wurde mit Geld erschlagen, sah sich mit dem Gewicht der ganzen Franchise auf seinen Schultern konfrontiert. Und als Rookie lieferte er. Bis zum letzten Spieltag hatte man die Playoff-Teilnahme in der eigenen Hand, wenn auch in der damals lächerlich schlechten NFC West. Was folgte, war die Rückkehr zur Normalität. Nur ein Sieg in zehn Spielen, ehe er sich verletzte. Letztes Jahr fehlten drei Siege auf die Postseason.

Dann verließ Receiver Danny Amendola das sinkende Schiff in Richtung der Patriots. Und jetzt Bradfords Kreuzbandriss. Kellen Clemens wird, wie schon in drei Spielen 2011, jetzt einmal im Monday-Night-Game gegen Seattle einspringen. Die Erwartungen an ihn gehen gegen Null. Muss ja nicht das Schlechteste sein.