Long Snap #5: „Waiting For Next Year“
Philipp Eitzinger beschäftigt sich in der fünften Ausgabe seiner Kolumne „Long Snap“ mit einem Team, das jedes Jahr auf nächstes Jahr warten.
Irgendwann wird alles besser. Vielleicht sogar richtig gut. Womöglich sogar schon in der nächsten Saison. Sicher ist aber nur: Die Gegenwart ist nicht lustig. Warten wir halt auf nächstes Jahr. In Cleveland sind diese vier Worte, "Waiting for next year", längst mehr als nur ein letzter Ausweg von Gedankengang. Nein, in Ohio ist das eine Lebenseinstellung. Nicht nur dank der Browns, auch wegen der Basketball-Cavaliers. Und auch, wenns die Baseball-Indians die Postseason erreichen - wonach es ein paar Tage vor Ende der Regular Season aussieht: Sogar T-Shirts gibt's mit diesem Slogan. Mit den Umrissen des Staates Ohio und "WFNY" in großen Lettern darin.
Der Trade von Trent Richardson zu den Browns zu den Indianapolis Colts letzte Woche war nur der bisher letzte Mosaikstein. Der einzige Spieler im Roster, den man tatsächlich wegen ansprechender Leistung überregional kennt, der Overall #3 Pick im 2012er-Draft, weg. Ohne einen Ersatz dafür zu bekommen, der sofort helfen könnte. Nein - für ein paar Draft Picks. Das von Browns-Seite gegebene und damit ultimative Eingeständis: Diese Saison, das wird nix mehr.
Schon nach zwei Spielen. Nach denen auch Brandon Weeden entsorgt wurde, jener Quarterback, der bekannt dafür war, mit erst 28 Jahren in die Liga zu kommen, nicht dafür, ein speziell guter Quarterback zu sein. Man hat das Gefühl: Alles, was unter der alten Führung unter Mike Holmgren an nennenswerten Personalien passiert ist, will der neue GM Mike Lombardi - zurück von den Pundits im Tagesgeschäft - verräumen.
Dass es im ersten Spiel ohne Richardson und mit Brian Hoyer (der als eigentlich 3. QB den Vorzug vor dem routinierten Jason Campbell bekam) ein eher überraschendes 31:27 gegen die sportlich diese Saison aber auch wohl eher wertlosen Minnesota Vikings gab, ist eine feine Sache für die Browns und zeigt, dass die Mannschaft nicht gewillt ist, die Saison ebenso abzuschenken wie das Management. Sie wird aber auch nichts daran ändern, dass die Browns die Play-Offs dieses Jahr einmal mehr nur mit dem Fernglas sehen, diese zum 11. Mal in Serie verpassen.
Immerhin: Charakter gezeigt. Mal ein Spiel gewonnen. Eines. Vielleicht wird's ja nächstes Jahr besser.
